Urban-Gardening: „Biotop der Verantwortungslosigkeit“
20.05.26 Auf der Franz-Stenzer-Straße zwischen Hausnummer 21 und 23 lebt sie: die wohl traurigste blaue Tonne Berlins. Eine heimatlose Seele aus Plastik, verlassen, vergessen – aber niemals allein.
Denn während die Müllabfuhr sie seit Monaten konsequent ignoriert, hat sie längst neue Freunde gefunden: volle Windeln, gammelige Essensreste und allerlei kreativen Restmüll, der mit „Papier und Pappe“ ungefähr so viel zu tun hat wie ein Goldfisch mit Straßenverkehr.
Offiziell ist sie eine Papiertonne. Inoffiziell eher ein All-inclusive-Wellnessresort für Ratten. Mit Buffet. Rund um die Uhr geöffnet.
Niemand fühlt sich zuständig, dafür fühlen sich umso mehr Menschen zuständig, ihren Müll hineinzustopfen. Die Tonne hat inzwischen vermutlich mehr soziale Kontakte als manche Anwohner – allerdings hauptsächlich mit Nagetieren und Krähen.
Man könnte fast meinen, hier entsteht Berlins neuestes Urban-Gardening-Projekt: „Biotop der Verantwortungslosigkeit“.
Ein Ort, an dem sich Ratten heimisch fühlen, während Anwohner lieber einen kleinen Umweg gehen und tief die Luft anhalten.
Vielleicht wartet die blaue Tonne einfach noch auf ihren großen Moment. Einen romantischen Termin mit der BSR.
Oder wenigstens auf jemanden, der erkennt: Das hier ist keine Mülltonne mehr – das ist inzwischen ein Denkmal.
Fotos: Yvonne Grüneberg