BODENSTÄNDIGES

Die Metamorphose eines Scheinwerferloches


30.05.26 Am Anfang war alles noch schön. Mitten im Fußweg saß ein Bodenscheinwerfer, ordentlich eingelassen, bedeckt von einer dicken Glasscheibe und gelegentlich sogar funktionstüchtig. Früher jedenfalls. Bild: KI


Man lief gern darüber, wurde von unten beleuchtet und fühlte sich für einen kurzen Moment wie auf einem kleinen roten Teppich des Alltags.

Doch irgendwann streikte die Elektrik.
Der Scheinwerfer leuchtete nicht mehr. Licht aus. Ende der Karriere.

Die dicke Glasscheibe hielt jedoch tapfer die Erinnerung an bessere Zeiten aufrecht. Sie lag weiterhin würdevoll im Boden und dachte vermutlich: „Vielleicht wird’s ja wieder.“

Wurde es aber nicht.

Und so geriet die Glasscheibe in eine tiefe Sinnkrise.
„Wenn hier sowieso nichts mehr leuchtet – wozu bin ich eigentlich noch da?“
Kurz darauf zerbrach sie.

Ungünstigerweise fand diese existenzielle Krise mitten auf dem Fußweg statt.

Plötzlich klaffte dort, wo einst freundliches Licht aus dem Boden strahlte, ein dunkles Loch. Eines dieser Löcher, bei denen man automatisch langsamer geht und hineinschaut, obwohl man genau weiß, dass man darin nichts sehen wird.

Ein besorgter Mensch stellte schließlich einen Eimer darüber. Sicherheit geht vor. Man hätte ja hineintreten können.

Leider hielt der Eimer nicht lange.
Jemand trat dagegen.

Daraufhin kam ein weiterer Bürger mit praktischem Denken und einer Rolle Klebeband vorbei. Der Eimer wurde fachmännisch über dem Loch festgeklebt. Eine Art Straßenbaukunst zwischen Improvisation und Verzweiflung.

Doch auch diese Lösung war nicht für die Ewigkeit gemacht.
Irgendwann verschwanden Eimer und Klebeband. Das Loch jedoch blieb. Geduldig. Beharrlich. Fast schon stolz.

Später stopfte ein weiterer barmherziger Mensch allerlei Material hinein. Was genau, lässt sich heute nicht mehr sagen. Vermutlich eine Mischung aus Kies, Hoffnung und Resten früherer Reparaturversuche. Jedenfalls ist das Loch inzwischen nicht mehr ganz so tief.

Aber es lebt noch.

Und wer weiß, was dort unten inzwischen heranwächst. Vielleicht brütet tief im ehemaligen Scheinwerfergehäuse längst ein unbekanntes Wesen.
Vielleicht schlüpft eines Tages daraus ein Scheinwerferlochvogel.

Und vielleicht leuchtet er sogar.



Fotos: Uta Baranovskyy



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